Affektive Störungen: Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt

 

Trauer und Freude sind normale Emotionen, die bei jedem Menschen durch bestimmte Bedingungen hervorgerufen werden. Misserfolge, Enttäuschungen oder Schicksalsschläge lösen in uns automatisch negative Emotionen aus, das ist eine natürlich Reaktion.
Ob der Tod einer geliebten Person oder der Verlust des Jobs – es gibt Ereignisse im Leben, die uns traurig stimmen. Gewöhnlich hält der Gefühlszustand einige Zeit an und vergeht danach wieder. Das Ausmaß der Emotionen bewegt sich in einem aushaltbaren Grad. Im Fall der affektiven Störungen ist das anders.

Man unterscheidet hierbei zwischen zwei diametralen Gefühlslagen: der Depression und der Manie. Sie stellen die beiden Pole der Gemütskrankheiten dar und dürfen nicht mit normalen Gefühlen, wie Trauer oder Freude gleichgesetzt werden.

Denn die Gefühle bleiben über Monate oder sogar Jahre konstant und werden von den Betroffenen als so stark empfunden, dass sie das gesamte Leben der Person beeinflussen.
Menschen, die unter einer affektiven Störung leiden, sind nicht mehr in der Lage, den Anforderungen des Alltags nachzukommen. Die psychische Belastung kann so stark sein, dass die Betroffenen nicht mehr im Stande sind, einfachste Tätigkeiten zu erledigen. Antrieb, Stimmung und Kognitionen sind stark gestört.

Manische Personen befinden sich in einem Zustand überzogener Hochstimmung. Die Euphorie geht häufig mit immenser Selbstüberschätzung einher und kann von Wahnvorstellungen begleitet sein. Aufgrund der verzerrten Selbstwahrnehmung und der damit einhergehenden Energiegeladenheit tendieren manische Personen zu riskanten, ruinösen Handlungen und aufdringlichem, unangemessenem Verhalten gegenüber anderen Menschen. Nicht selten stürzen sie nicht nur sich sondern auch ihre Angehörigen und Freunde mit ihren Handlungen in den finanziellen und sozialen Ruin.

Bei manchen Menschen wechseln die beiden emotionalen Extrema Depression und Manie in Abständen von Wochen beziehungsweise Monaten ab. In diesem Fall spricht man von einer „Bipolaren“ beziehungsweise „Manisch-depressiven Störung.
Das ausschließliche Vorliegen einer depressiven Stimmungslage bezeichnet man als „Unipolare Depression“ oder Unipolare Störung“. Sie kann einmalig oder rezidivierend, also schubweise auftreten.

Menschen, die unter einer Depression leiden, verspüren dauerhaft tiefe Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, die sich bis zur völligen emotionalen Leere und Antriebslosigkeit steigern kann.

Das seelische Leid kann so stark werden, dass die Betroffenen den einzigen Ausweg im Selbstmord sehen.
Die Prävalenz ist hoch: Schätzungen zufolge leiden fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen an einer depressiven Störung. Etwa 15 Prozent von ihnen sind suizidgefährdet.


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