Der Kopf und sein Schmerzen: Spannungs- sowie Medikamentenkopfschmerz und Migräne

 
Der Kopf und sein Schmerzen: Spannungs- sowie Medikamentenkopfschmerz und Migräne

Er avanciert zu einer der führenden Volkskrankheiten: der Kopfschmerz. Und leider entwickelt er sich bei vielen Menschen schnell zu einem chronischen Zustand - selbst bei Kindern. Das macht ihn schwer beherrsch- und therapierbar. Und ein chronischer Kopfschmerz beeinträchtigt das Alltagsleben ganz erheblich. Ganz zu schweigen von den körperlichen Folgen, die eine dauernde Schmerzmitteleinnahme nach sich zieht.

Die Formen
Der Kopfschmerz wird in zwei große Gruppen eingeteilt:
Der primäre Schmerz: Er ist nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführen - wie etwa bei einer Tumorerkrankung. Die häufigsten Arten: Migräne und Spannungskopfschmerz. Hier ist der Schmerz die eigentliche Krankheit. Das Ziel der Behandlung: Schmerzbeseitigung.

Der sekundäre Schmerz: Hier sind die Kopfschmerzen Symptom für eine andere, zugrunde liegende Krankheit. Hier sollte die Ursache beseitigt werden.
Traurige Bilanz: Der in dieser Gruppe auftretende Kopfschmerz ist meist durch die dauerhafte Einnahme von Analgetika, Schmerzmittel, verursacht. So verflixt das klingt.


Die Arten

Spannungskopfschmerz:
Der Name lässt zunächst denken, dass seine Ursache eine Verspannung im Nacken und Halsbereich ist. Das war auch lange Jahre die Theorie. Neuerdings geht man aber davon aus, dass er bedingt ist durch eine Störung in den Hirnarealen, die für die Schmerzverarbeitung zuständig sind. Hier wird die Schmerzschwelle gesenkt und Schmerz tritt schneller auf. Woran das allerdings ursächlich liegt, dafür existiert noch keine hinreichende Erklärung. Der Spannungskopfschmerz tritt oft zusammen mit anderen Schmerzformen (z.B. Migräne) auf.

Seine Kennzeichen sind: Er entwickelt sich langsam über einen gewissen Zeitraum und geht häufig mit einem diffusen Benommenheitsgefühl einher. Lokalisiert ist er meist in der Stirn, Scheitel- oder Schläfenregion. Beschrieben wird der Schmerz als dumpf und drückend.
Diese Art des Schmerzes dauert von Stunden bis Tagen. Normalerweise treten keine begleitenden Symptome auf. Auslöser können Stress oder auch Klimawechsel sein.

Die Therapie: Zunächst die nicht medikamentösen Therapien, die durch Entspannungsübungen oder moderaten Sport bereits Linderung verschaffen können. Sollte das nicht helfen, empfehlen sich die ‚üblichen‘ und rezeptfrei erhältlichen Kopfschmerzmedikamente.

Der Schmerzmittelkopfschmerz:
Dieser Dauerkopfschmerz ist in den Praxen der am häufigsten vorkommende. Meist litten die Betroffenen einst unter einer anderen Art des Kopfschmerzes und nahmen deshalb über die Jahre Analgetika - nicht selten in steigenden Dosierungen. Aus diesem Prozess kann sich dann ein eigener Dauerkopfschmerz entwickeln. Denn das Ganze ist ein Teufelskreis: Der Patient hat immer stärkere Kopfschmerzen und nimmt deshalb Analgetika. Schließlich erhöht er die Dosis, weil ihm die Wirkung der Schmerzmittel nicht mehr ausreicht. Und so beginnt die verheerende Mühle.
Grundsätzlich können alle gängigen Schmerzmittel diesen Zustand auslösen.
Seine Kennzeichen sind: Die Qualität ist drückend und diffus, meist an beiden Seiten des Kopfes lokalisiert. Oft ist der Schmerz ständig da und wird oft von Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet.

Die Therapie: Sie liegt, so bitter das klingt, einzig im Entzug der Schmerzmittel. Das wird einem Medikamenten-induzierten Kopfschmerzpatienten schwerlich selbst gelingen und er sollte dringend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Ein stationärer Entzug kann in einer neurologischen oder schmerztherapeutischen Klinik erfolgen. Bei einigen Abhängigkeitsbildern ist eine stationäre Behandlung sogar unumgänglich. Und zwar unter folgenden Bedingungen:

  • die eingenommenen Medikamente enthielten Sucht fördernde Mittel wie Kodein
  • Kopfschmerzsymptomatik und Analgetikaabusus bestehen seit mehr als fünf Jahren
  • ambulante Entzugsversuche verliefen bisher erfolglos
  • dem Schmerzmittelabusus liegt ein schwerwiegendes psychisches Problem zugrunde

Denn unter diesen Bedingungen benötigen die Patienten eine Betreuung rund um die Uhr - schließlich handelt es sich um einen richtigen Drogenentzug.

Treffen alle oben genannten Aspekte nicht zu, kann ein ambulanter Entzugsversuch unternommen werden. Dabei werden alle Medikamente auf einmal abgesetzt. Das führt natürlich zuerst zu einer Verschlimmerung des Schmerzes und auch Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufprobleme. Doch dagegen gibt es dann Medikamente - aus einer anderen Klasse! Gegen unerträgliche Kopfschmerzen wird der Arzt Tabletten verschreiben, die bisher nicht zu dem eingenommenen Sortiment gehörten.

Ist der Entzug - stationär oder ambulant - vollbracht, muss sich eine Langzeitbehandlung anschließen. Dies, um den Ursachen des Abusus vorzubeugen und die Gründe dafür zu klären. Denn nur der Entzug der physischen Abhängigkeit feit nicht vor Wiederaufnahme der Sucht in schwierigen Situationen. Sucht ist eben Sucht.

Die Migräne:
Sie ist eine weit verbreitete Form des Kopfschmerzes. Auch Kinder haben sie bereits. Als Ursache vermutet werden genetische Veranlagung und psychogene Einflüsse.
Die Genese eines Migräneanfalls erklärt man hingegen mittlerweile so: In einem Hirnareal kommt es zu eklatanten Störungen der Funktion. Dies führt in der Folge dazu, dass die Aktivität der Nervenzellen gestört und dadurch die Blutversorgung gehemmt wird. Dies führt zu den Vorboten der Migräne.
Hat der Schmerz eingesetzt, erweitern sich die Arterien, besonders die der Hirn- und Kopfhaut. Zudem entstehen kleine Entzündungen in diesem Areal. Dies setzt Schmerzstoffe frei und führt zu den starken Beschwerden. Diese Vorgänge irritieren auch andere Bezirke des Hirns und können zu den Begleiterscheinungen wie Lichtempfindlichkeit führen.

Die Kennzeichen: Die Schmerzen kommen anfallsartig und sehr heftig. Bei über der Hälfte der Fälle ist der Schmerz einseitig lokalisiert. Oft entstehen die Schmerzen direkt in den Morgenstunden und werden dann durch körperliche Aktivität verstärkt. Beschrieben wird der Schmerz als pochend, stechend, pulsierend in einer sehr hohen Intensität.
Ein Migräneanfall geht oft mit schweren Begleitsymptomen einher: Dazu gehören Schwindel, Erbrechen und Übelkeit, Licht- und Geruchsempfindlichkeit. Zum Teil kommt es sogar zu neurologischen Ausfällen wie Sehstörungen oder Kribbeln in den Gliedmaßen.

Die Therapie: Da eine Migräne unterschiedliche Auslöser haben kann, gilt es, den Grund für die Anfälle zu finden und ihn - als die Ursache - zu behandeln. Häufige Auslöser sind:

  • hormonelle Schwankungen: viele Frauen haben die Anfälle immer zu einem bestimmten Zeitpunkt während des Zyklus
  • Stress gilt als ein wichtiger Punkt
  • andere reagieren auf bestimmte Stoffe in der Nahrung
  • Wetteränderungen
  • Änderungen im Schlafrhythmus

und die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Möchte man eine Migräne also nicht nur akut mit Medikamenten behandeln, sollte man versuchen, den Auslöser 1. zu bestimmen und 2. zu eliminieren. Viele Ärzte empfehlen ein Migränetagebuch zu führen, um die Ursache zu finden.
Welches Medikament bei einem Anfall am besten hilft, hängt von der Schwere und auch den Begleiterscheinungen ab. Besteht zum Beispiel eine ausgeprägte Übelkeit, so wird der Arzt keine Tabletten verschreiben, die den Magen stark belasten. Und dies ist nur ein Beispiel. Oder er verschreibt beispielsweise ein Mittel, dass die Magen-Darm-Tätigkeit unterstützt. Das hängt immer von Art und Genese der Beschwerden ab.

Wichtig bei Migräne-Mittel ist, dass sie bei Einsetzen der ersten Symptome genommen werden. Denn hat der Schmerz erst einmal eingesetzt, haben die Mittel oft keine Wirkung mehr. Eine Ausnahme sind Mittel, die tatsächlich erst eingenommen werden, wenn die Migräne voll da ist. Fragen Sie danach bitte Ihren Behandler.
Bei der Auswahl der Medikamente zu beachten ist auch, dass sie in einer Form eingenommen werden, die der Körper schnell resorbieren kann - also Brausetabletten oder auch Zäpfchen. Ihre Wirkstoffe gelangen schneller dahin, wo sie den Schmerz bekämpfen sollen.


zurück