Päpophilie oder sexueller Missbrauch– nicht jeder wird zum Täter

 

In den letzten Monaten haben mehrere Fälle von schwerem sexuellem Kindesmissbrauch Schlagzeilen gemacht und uns bis ins Mark erschüttert. Laut Angaben der Ermittler war das in Münster, Nordrhein-Westfalen, gefundene Bildmaterial jenseits der Grenze des Erträglichen. Im Fall von Adrian V. und dem Netzwerk von Kinderschändern um ihn wurden in einem versteckten Rechnerraum 500 Terrabyte Speichervolumen gefunden, Platz für 200.000 Stunden Bildmaterial.

In den einschlägigen Videos sieht man Handlungen, die den Kindern große Schmerzen zufügen. Von „scheußlichsten Verbrechen“ wurde seitens der Landesregierung gesprochen. Im Fall von Münster wurde Bildmaterial mit Titeln wie „Kinder ficken“ oder „Full Video – Rape!“ beschlagnahmt. Sie zeigen gefesselte Kleinkinder, Gesichter schmerzverzerrt. Unvorstellbar erscheint es uns, dass es Menschen gibt, die solche Taten vollbringen.

Was sind das für Menschen, die sexuelle Erregung verspüren, wenn sie Sex mit Minderjährigen haben oder entsprechende Aufnahmen sehen? Wohl keine andere Art von Straftat erfüllt uns so stark mit Entsetzen und Unverständnis wie sexueller Missbrauch.

Aktuell wird über die Begrifflichkeit diskutiert. Denn „Missbrauch“ legt nahe, es könne auch „sexuellen Gebrauch“ von Kindern geben. Sexueller Missbrauch oder sexuelle Gewalt an Kindern ist per definitionem jede sexuelle Handlung, die an oder vor Mädchen und Jungen oder divers geschlechtlichen Kindern gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können.

Pädophile zu verurteilen, fällt leicht. Dabei ist die Frage, wer zum Täter wird und wer nicht, vielleicht die entscheidendere als die Frage, als die danach, woher diese Störung kommt. Viele Pädophile erleben ihre Neigungen selbst als große Belastung.

Man geht davon aus, dass rund ein Prozent der Männer in Deutschland pädophile Gedanken haben. Männer sind tausendmal häufiger als Frauen betroffen. Einige Zeit lang dachte man, Pädophilie sei eine Entwicklungsstörung im Gehirn. Heute weiß man, dass es so einfach nicht ist. Pädophilie ist keine Störung des Zentralen Nervensystems. Und längst nicht jeder Pädophile wird zum Straftäter. Welche Unterschiede es gibt zwischen straffälligen Pädophilen und Männern und Frauen, die lediglich pädophile Gedanken haben, wurde genauer untersucht. Einige Prozesse im Gehirn der Pädophilen, die Täter werden, scheinen anders abzulaufen. Hierbei spielt die Impulskontrolle eine wichtige Rolle.

Etwa 16000 sexuelle Übergriffe auf Kinder kommen pro Jahr in Deutschland zur Anzeige, etwa die Hälfte hiervon ist pädophil motiviert. Das sind etwa 43 Opfer durchschnittlich pro Tag.

Der Begriff „Pädophilie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet etwa soviel wie „Knabenliebe“ oder „Kinderliebe“. Pädophile richten ihr primäres sexuelles Interesse auf Kinder, wünschen sich also sexuelle Kontakte mit Personen, die ihre eigene Pubertät noch nicht durchlebt haben. Besonders unter Eltern löst diese Neigung Ängste aus. Viele Menschen reagieren mit Ekel und sind angewidert angesichts pädophil motivierter Straftaten. Die betroffenen Kinder werden durch für ihr Leben lang traumatisiert und leiden unvorstellbar.

Wie der Wortstamm vermuten lässt, ist Pädophilie laut ICD-10 eine „Störung der Sexualpräferenz für Kinder, die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden.

Man sollte aber wie gesagt bedenken, dass sich Pädophile ihre Neigung nicht selbst ausgesucht haben. Die meisten erleben sie selbst wie einen Fluch. Mittlerweile gibt es spezielle Hilfsangebote für Menschen mit pädophilen Gedanken. Das Ziel ist, sie zu unterstützen, so dass sie ihre sexuellen Vorstellungen kontrollieren können und nicht ausleben. Pädophilie ist strafbar, und aktuell wird debattiert, die Strafen weiter zu verschärfen. Geregelt wird das Strafmaß durch das Strafgesetzbuch, besonderer Teil, insbesondere Abschnitt 13. Laut Gesetzlage sind Kinder bis 14 Jahre unter dem so genannten „Schutzalter“. Als Schutzalter wird das Alter bezeichnet, ab dem eine Person juristisch als einwilligungsfähig angesehen wird in Bezug auf sexuelle Handlungen. Je nach Umständen kann das Schutzalter auch auf 16 oder 18 Lebensjahre gesetzt werden. Eine Rolle spielt hierbei zum Beispiel das Alter des Sexualpartners oder die Frage, ob eine Obhutsverhältnis besteht. Und natürlich ist es etwas anderes, wenn zwei 16-Jährige einvernehmlichen Sex miteinander haben, als wenn Gewalt und Zwang Erwachsenen gegenüber Kindern im Spiel ist.

Sexueller Kindesmissbrauch bezieht sich grundlegend erstmal auf direkte sexuelle Handlungen, die die Genitalien von Kindern involvieren und die unter Zwang geschehen, also auch Handlungen, die die Kinder an sich selbst vornehmen müssen, um die Lust Erwachsener zu befriedigen. Hierzu zählt auch die Produktion kinderpornographischen Materials. Herstellung, Bereitstellung und Konsum sind strafbar. Als Kinder gelten wie gesagt grundsätzlich alle Personen unter 14 Jahren.

Unterscheiden lässt sich die Pädophilie als sexuelle Präferenz von der hebephilen Neigung. Pädophile werden erregt durch vorgestellte oder ausgeführte sexuelle Handlungen an oder mit Kindern, denen die entsprechenden Geschlechtsmerkmale noch fehlen, hierzu zählt zum Beispiel das Fehlen der Schambehaarung. Das entspricht einem Alter von bis ca. 11 Jahren. Hebephile Neigung bezeichnet die Präferenz für Kinder mit vorpubertären Merkmalen wie beginnender Brustbildung bei Mädchen.

Es gibt schon seit langer Zeit eine Debatte, ob diese Neigungen, also Pädpohile und Hebephilie, den Paraphilien zuzurechnen sind oder sie ein eigenes Krankheits- bzw. Verhaltensmuster darstellen.

Paraphilien bezeichnen sexuelle Präferenzen, die von der Norm abweichen, also zum Beispiel die Liebe zu Objekten, sexuellen Fetisch, der sich auf Schmerz, Demütigung bezieht oder auch sexuelle Präferenzen gegenüber Tieren. Hierzu können Phantasien gehören, aber auch das Ausleben.

Um Personen mit pädophilen beziehungsweise hebephilen Wünschen und Vorstellungen Hilfsangebote zu geben, wurde Anlaufstellen für potenzielle Täter und Täterinnen eingerichtet. Das Ziel ist Prävention, also zukünftige pädophile Handlungen zu verhindern. Erwähnenswert ist das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“. Es bietet deutschlandweit ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot. Entscheidender Ansatz ist, Menschen mit pädophilen Gedanken nicht per se zu verurteilen und in Misskredit zu stellen, sondern Unterstützung bei der Handlungsprävention zu geben.

Heutzutage sieht man die Fähigkeit, die eigenen Handlungsimpulse zu unterdrücken, als einen Schlüssel zur Behandlung der Pädophilie. Das Ziel ist, Personen mit entsprechenden Neigungen nicht zum Täter werden zu lassen. Eine entscheidende Rolle, ob jemand zum Täter wird, spielt auf neurologischer Ebene offenbar der Präfrontale Cortex (PFC). Er gilt als die Schaltzentrale unseres Gehirns, als der Ort, an dem quasi unser „freier Wille“, unsere Handlungskontrolle, sitzt.

Eine Studie mit 400 Probanden zeigt, dass Nacktfotos von Erwachsenen und Kindern die Verhaltenskontrolle bei Personen mit pädophilen Neigungen unterschiedlich ansprechen. Genutzt wurden hierzu bildgebende Verfahren wie fMRT.

Ähnlich wie bei Suchtverhalten wird das Belohnungssystem aktiviert, wenn Reize wahrgenommen werden, die eine Befriedigung individueller Bedürfnisse versprechen. Dieses dopaminerge System wird bei Pädophilen durch Nacktfotos von Kindern aktiviert, ähnlich wie bei einem Alkoholiker, der Bilder mit Bier oder Wein sieht. Ein entscheidender Punkt ist aus neurologischer Sicht, ob diese in Aussicht gestellte Suchtbefriedigung das Handeln automatisch beeinflusst oder man seine Impulse kontrollieren kann. Diese Funktion wird durch den PFC vorgenommen. Ist er hypoaktiv, können Handlungsimpulse nur schwer unterdrückt werden.

Dementsprechend wird auch diskutiert, Pädophilie den Impulskontrollstörungen zuzuordnen. Sexuelle Präferenz entspricht längst nicht immer auch tatsächlichem Verhalten, „Pädophilie“ im Sinne der Vorstellungen nicht gelebter „Pädosexualität“. Ersteres ist nicht strafbar, letzteres fällt unter das Kinderschutzgesetz.

Zusammengefasst: Viele Betroffene haben einen hohen Leidensdruck, die bis zu Depressionen und Selbstmordgedanken führen. Denn es gibt einen ein Teil von ihnen, denn sie nicht mögen, den man aber nicht wegdrücken und verdrängen kann. Der Schlüssel hiermit umzugehen ist Selbstkontrolle und das Lernen, Risikosituationen richtig einzuschätzen. Zu den Risikofaktoren, übergriffig zu werden, zählt soziale Isolation und das Fehlen von Möglichkeiten, sich anderen Menschen anzuvertrauen. Unterstützungsangebote sind wichtig. Denn Pädophile haben sich ihre sexuelle Präferenz nicht selbst ausgesucht.


zurück
Unser Sprachservice

Sprachservice: Wir sprechen viele Sprachen Mehr zu unserem Sprachservice
Prämien-Aktionsecke

Prämien-Aktionsecke Zu unserer Prämienaktionsecke
Aktuelle Aktionen

Aktionen
Mehr zu unseren Aktionen